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GUSTAV OELSNER - Architekt für Altona
1879 - 1956
Städtebau der 20er Jahre

Generalsiedlungsplan
Grüngürtel
Altonaer Volkspark
Elbparks
Klinkerfassaden



           

D E R   A L T O N A E R   V O L K S P A R K


  Der Altonaer Volkspark und sein Stadion entstanden zwischen 1914 und 1927 im Zeichen einer sozial orientierten Stadtentwicklungspolitik, die das menschliche Bedürfnis nach Erholung und Naturerfahrung widerspiegelte. Industrialisierung und Bevölkerungszuwachs hatten zu unhaltbaren sozialen und gesundheitlichen Lebensverhältnissen geführt, für Naturräume gab es keinen Platz in der Stadt.

Die Lebensreformbewegung (Deutsche Gartenstadt Gesellschaft) um 1900 versuchte, diese Missstände zu beheben, indem sie eine neue Beziehung des Menschen zur Natur forderte. Durch eine gezielte Grünflächenplanung sollte der Stadtorganismus zu neuem Leben erweckt werden, und die neu zu schaffenden öffentlichen Parkanlagen sollten vor allem der Verbesserung der Volksgesundheit dienen. Aus Medizin und Hygiene entlehnt, entstanden in dieser Zeit aktuelle Schlagworte wie Stadtkörper, Organismus, grüne Lunge, Licht und Luft. Oelsner selbst identifizierte sein Berufsethos mit dem des diagnostizierenden und heilenden Arztes. Städtebauliche Eingriffe setzte er damit chirurgischen gleich, die heilend wirken.

Im Generalbebauungsplan von 1923 hob Oelsner die soziale Funktion der Parks und des Ufers der Elbe für die Großstadt hervor. In der Weiterentwicklung dieses Ansatzes wurde die „Grünpolitik“ nun ein Kernpunkt, aus dem sich der 1925 veröffentlichte „Grüngürtelpan“ entwickelte. Oelsner hatte erkannt, dass der Gedanke von der kompletten „Auflösung der Großstadt“ nicht zu verwirklichen ist und die Auflockerung der bestehenden Strukturen mit Grünbereichen und Freiflächen der mögliche Kompromiss sein könnte. Zu dieser Zeit ist der Altonaer Volkspark landschaftsgestalterisch bereits fertig gestellt, er wurde dem sog. 2. Grüngürtel zugeordnet.

Unter Leitung von Oelsner in Zusammenarbeit mit dem Gartenbaudirektor Tutenberg entsteht in den Jahren 1924/25 im nördlichen Teil des Altonaer Volksparks ein Stadion für 50.000 Zuschauer, ein Schwimmstadion mit Sprungturm und Umkleidehaus, Bauten für ein Licht- und Luftbad, ein Kassenpavillon und ein Transformatorenhäuschen.

Ein Volkspark für die wachsende Stadt
Mit dem Erwerb der für den Volkspark noch erforderlichen Grundstücke wurde 1903 begonnen, und die Vorstellung von dem, was einen Volkspark ausmacht, seine Funktion und Gestaltung, nahm erst im beginnenden 20. Jahrhundert konkrete Züge an. Dem Volkspark war eine soziale Aufgabe zugedacht.

Am 20. Februar 1913 schließlich, anlässlich des 25. Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II., bewilligten die städtischen Kollegien 150.000 Mark als erste Rate für die Schaffung eines Waldparks auf Bahrenfelder Gebiet. Noch im gleichen Jahr wurde ein selbstständiges Gartenbauamt eingerichtet. Altonas erster Gartenbaudirektor wurde Ferdinand Tutenberg (1874-1949), der vorher schon in Offenbach und Bochum u. a. für die Gestaltung dortiger Parks zuständig war. Seine erste bedeutende Aufgabe in Altona war die Vorbereitung der Gartenbauausstellung 1914 aus Anlass des 250- jährigen Stadtjubiläums auf dem Gelände des Donners Park und des Rosengartens.

Das für den Volkspark bestimmte Gelände im Nordwesten Altonas maß 127 ha, die Arbeiten begannen im September 1914. Bestehende Straßen boten sich in idealer Weise zur Erschließung des Parks an. Gleichzeitig teilten sie ihn in vier Parkteile. Anders als der Stadtpark in Hamburg, vermeidet die Volksparkanlage eine große Achsenaufteilung, stattdessen geht die Wegeführung auf die Topograhie des Geländes ein. In Hamburg bedurfte es einer Kommission, Gutachter, eines Wettbewerbs und den Entwürfen von Hoch- und Tiefbauingenieuren, um schließlich einen von architektonischen Leitbildern geprägten Park zu schaffen, der immer noch den veralteten Repräsentationswillen in sich trug. Und erst im Jahr der Eröffnung des Stadtparks 1914 wurde ein Gartenfachmann zur weiteren Gestaltung hinzugezogen. Dagegen erwies sich die in Altona gefasste Entscheidung, den Volkspark ausschließlich von einem Gartenarchitekten entwerfen zu lassen, als zeitlich und wirtschaftlich vorteilhafter.

Parkanlagen
Die Parkanlagen wurden in drei aufeinander folgenden Abschnitten bebaut.

Am Haupteingang, dem südlichsten Punkt des ersten Parkteils, wurde in die Mitte des runden Vorplatzes ein Findling gesetzt. Zwei parallel verlaufende Wege führen von hier, entlang einer Narzissenwiese, zur großen Spiel- und Liegewiese. Nördlich schließt sich an die Spielwiese ein ausgedehnter Waldteil an. Der zweite Parkteil war 25 ha groß. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Parkabschnitts und des Volksparks überhaupt war der Zentralschulgarten mit botanischem Garten, Gartenarbeitsschule und einer Kleingarten- Musteranlage auf einer Fläche von ca. 10 ha. Der botanische Garten war als Anzuchtstätte für den Pflanzenbedarf des naturkundlichen und Zeichenunterrichts sämtlicher Schulen der Stadt gedacht, stand aber auch der Allgemeinheit zur Besichtigung offen. Auf dem höchstgelegenen Punkt des botanischen Gartens, im Zentrum des Dahliengartens und in der Fluchtlinie der Hauptachse stand ein kleiner Pavillon auf rundem Grundriss. Seine aus gelb-buntem Klinker gemauerten Rundsäulen trugen ein eigenwillig geformtes, abgestuftes Dach. Mitten im Waldteil dieses zweiten Parkabschnitts entstand ein großer Kinderspielplatz mit Sandkisten, Schwebebäumen und anderem mehr.

Der dritte Parkteil wurde auf einer weiteren Fläche von 30 ha angelegt und konnte bis 1920 im Rohbau fertig gestellt werden. Bereits 1916/17 wurde das niederdeutsche Bauernhaus der Gartenbauausstellung von 1914 am Rande dieses Parkabschnitts neu aufgestellt und diente als Gasthaus. Es entstand lediglich eine Freilichtbühne in der Form eines Heckentheaters. Die Anlage zur Gedächtnisstätte für die im Weltkrieg gefallenen Altonaer steht im Mittelpunkt des dritten Parkteils. Ein besonders langer, gerader Weg führt durch den Wald auf einen künstlich geschaffenen Hügel hinauf. Der Bergkegel wurde mit kreisförmigen Terrassen und umlaufenden, kubisch beschnittenen Eichen gefasst. Von vier Seiten erlauben Stufen den Anstieg zur obersten Ebene. Hier steht eine letzte, mannshohe Steinplattform, die ebenfalls mit Stufen in vier Richtungen versehen ist, vom Volksmund „der Tutenberg“ genannt.

Stadionanlagen
Der 4. Parkteil, die 150.000 m² große Sportanlage im Volkspark, in ihrer Form und Ausprägung von Tutenberg bereits angelegt, ist noch einmal 28 Hektar groß. „Es wurden [Park]Flächen an Sportvereine abgegeben, Teile davon konnten im Winter zu einer Eisbahn umgewandelt werden, es gab ein Planschbecken mit 5.000 m² Wasserfläche, ein Licht- und Luftbad ... Ferner gab es Fußball- und Hockeyplätze und eine Festwiese mit Steh- und Sitzplätzen für 45.000 Personen. Neben diesem Stadion wurde ... noch ein großes Schwimmbassin für Schwimmer und Nichtschwimmer geplant ...“

Nach den Entwürfen von Oelsner entstehen die Hochbauten für die Stadionanlagen in Form einfacher, unverzierter Gebäudekubaturen oder als rein funktional gestaltetes Ingenieurbauwerk, wie der Sprungturm des Schwimmstadions. Die Tribünenanlage für das Stadion bestand aus einem einfachen Gebäudekubus mit davor gesetztem, auf Stützen ruhenden, weit auskragendem Dach. Die Erschließung erfolgte über vorn und seitlich angeordnete Treppen, im Sockelgeschoss befanden sich Umkleideräume. Eröffnet wurde das Stadion im Rahmen der Altonaer Turn- und Sportwoche am 13. September 1925. Im Juni 1927 wird das Schwimmstadion mit seinem Sprungturm, einer offenen, nach oben pyramidenförmig verjüngten und von einer Fahnenstange bekrönten Stahlbetonkonstruktion mit vier unterschiedlichen Sprungplateaus und einer eingefügten gläsernen Aufsichtskabine eröffnet. Das Eingangsgebäude für das Schwimmstadion zeigt sich in klarer kubischer Form und den typischen gelb- bunten Klinkern. Im 10.000 m² großen Licht- und Luftbad ist ein eingeschossiges Gebäude platziert, in welchem sich die Garderobe, Wasch- und Duschräume, die Teestube, Küche und Liegehallen befanden und einen freien Lichthof umgrenzten. Die ganze Familie sollte den Park im Sinne des Gedankens der Volksgesundheit nutzen können. Dafür wurde eigens eine Straßenbahnlinie bis zur Stadionstraße - aus Altona kommend - eröffnet.

Fazit
Der Volkspark erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit, jedoch sind durch erhebliche Infrastruktur-Maßnahmen (Müllverbrennungsanlage, Autobahn A7 etc.) und andere Umstrukturierungen die seinerzeit geltenden Gestaltungsgrundzüge und die damit verbundenen Ideale kaum noch wiederzuerkennen oder aufzuspüren. Wegen der neuen Trasse der A7 ist der Volkspark von Bahrenfeld aus nicht mehr direkt zu erreichen. Sein „Haupteingang“ in der Nähe der Trabrennbahn ist im Stadtbild nicht zu finden. „AOL-Arena“ und „ColorLine-Arena“ haben das ursprüngliche „Volks-“Stadion vernichtet. Sie dokumentieren den Event-Charakter unserer heutigen Gesellschaft. Die anderen Gebäude wurden umgebaut und umgenutzt, oder warten z. T. auf neue Nutzungen.

Der Volkspark ist somit als Einheit unter den vielfältigen Angeboten unter dem Begriff der „Volksgesundheit“ nicht mehr erfahrbar.

(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)