D E R A L T O N A E R V O L K S P A R K
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Der Altonaer Volkspark und sein Stadion entstanden zwischen 1914 und 1927 im
Zeichen einer sozial orientierten Stadtentwicklungspolitik, die das menschliche Bedürfnis
nach Erholung und Naturerfahrung widerspiegelte. Industrialisierung und
Bevölkerungszuwachs hatten zu unhaltbaren sozialen und gesundheitlichen
Lebensverhältnissen geführt, für Naturräume gab es keinen Platz in der Stadt.

Die Lebensreformbewegung (Deutsche Gartenstadt Gesellschaft) um 1900 versuchte,
diese Missstände zu beheben, indem sie eine neue Beziehung des Menschen zur Natur
forderte. Durch eine gezielte Grünflächenplanung sollte der Stadtorganismus zu neuem
Leben erweckt werden, und die neu zu schaffenden öffentlichen Parkanlagen sollten vor
allem der Verbesserung der Volksgesundheit dienen. Aus Medizin und Hygiene entlehnt,
entstanden in dieser Zeit aktuelle Schlagworte wie Stadtkörper, Organismus, grüne
Lunge, Licht und Luft. Oelsner selbst identifizierte sein Berufsethos mit dem des
diagnostizierenden und heilenden Arztes. Städtebauliche Eingriffe setzte er damit
chirurgischen gleich, die heilend wirken.
Im Generalbebauungsplan von 1923 hob Oelsner die soziale Funktion der Parks und
des Ufers der Elbe für die Großstadt hervor. In der Weiterentwicklung dieses Ansatzes
wurde die „Grünpolitik“ nun ein Kernpunkt, aus dem sich der 1925 veröffentlichte
„Grüngürtelpan“ entwickelte. Oelsner hatte erkannt, dass der Gedanke von der
kompletten „Auflösung der Großstadt“ nicht zu verwirklichen ist und die Auflockerung
der bestehenden Strukturen mit Grünbereichen und Freiflächen der mögliche
Kompromiss sein könnte. Zu dieser Zeit ist der Altonaer Volkspark
landschaftsgestalterisch bereits fertig gestellt, er wurde dem sog. 2. Grüngürtel
zugeordnet.
Unter Leitung von Oelsner in Zusammenarbeit mit dem Gartenbaudirektor Tutenberg
entsteht in den Jahren 1924/25 im nördlichen Teil des Altonaer Volksparks ein Stadion
für 50.000 Zuschauer, ein Schwimmstadion mit Sprungturm und Umkleidehaus, Bauten
für ein Licht- und Luftbad, ein Kassenpavillon und ein Transformatorenhäuschen.
Ein Volkspark für die wachsende Stadt
Mit dem Erwerb der für den Volkspark noch
erforderlichen Grundstücke wurde 1903
begonnen, und die Vorstellung von dem, was
einen Volkspark ausmacht, seine Funktion
und Gestaltung, nahm erst im beginnenden
20. Jahrhundert konkrete Züge an. Dem
Volkspark war eine soziale Aufgabe zugedacht.
Am 20. Februar 1913 schließlich, anlässlich
des 25. Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms
II., bewilligten die städtischen Kollegien
150.000 Mark als erste Rate für die Schaffung
eines Waldparks auf Bahrenfelder Gebiet.
Noch im gleichen Jahr wurde ein
selbstständiges Gartenbauamt eingerichtet.
Altonas erster Gartenbaudirektor wurde
Ferdinand Tutenberg (1874-1949), der vorher schon in Offenbach und Bochum u. a. für
die Gestaltung dortiger Parks zuständig war. Seine erste bedeutende Aufgabe in Altona
war die Vorbereitung der Gartenbauausstellung 1914 aus Anlass des 250- jährigen
Stadtjubiläums auf dem Gelände des Donners Park und des Rosengartens.
Das für den Volkspark bestimmte Gelände im Nordwesten Altonas maß 127 ha, die
Arbeiten begannen im September 1914. Bestehende Straßen boten sich in idealer Weise
zur Erschließung des Parks an. Gleichzeitig teilten sie ihn in vier Parkteile. Anders als
der Stadtpark in Hamburg, vermeidet die Volksparkanlage eine große Achsenaufteilung,
stattdessen geht die Wegeführung auf die Topograhie des Geländes ein. In Hamburg
bedurfte es einer Kommission, Gutachter, eines Wettbewerbs und den Entwürfen von
Hoch- und Tiefbauingenieuren, um schließlich einen von architektonischen Leitbildern
geprägten Park zu schaffen, der immer noch den veralteten Repräsentationswillen in
sich trug. Und erst im Jahr der Eröffnung des Stadtparks 1914 wurde ein
Gartenfachmann zur weiteren Gestaltung hinzugezogen. Dagegen erwies sich die in
Altona gefasste Entscheidung, den Volkspark ausschließlich von einem
Gartenarchitekten entwerfen zu lassen, als zeitlich und wirtschaftlich vorteilhafter.
Parkanlagen
Die Parkanlagen wurden in drei aufeinander folgenden
Abschnitten bebaut.
Am Haupteingang, dem südlichsten Punkt des ersten Parkteils,
wurde in die Mitte des runden Vorplatzes ein Findling gesetzt.
Zwei parallel verlaufende Wege führen von hier, entlang einer
Narzissenwiese, zur großen Spiel- und Liegewiese. Nördlich
schließt sich an die Spielwiese ein ausgedehnter Waldteil an.
Der zweite Parkteil war 25 ha groß. Ein wesentlicher
Bestandteil dieses Parkabschnitts und des Volksparks
überhaupt war der Zentralschulgarten mit botanischem
Garten, Gartenarbeitsschule und einer Kleingarten-
Musteranlage auf einer Fläche von ca. 10 ha. Der botanische
Garten war als Anzuchtstätte für den Pflanzenbedarf des
naturkundlichen und Zeichenunterrichts sämtlicher Schulen
der Stadt gedacht, stand aber auch der Allgemeinheit zur Besichtigung offen. Auf dem
höchstgelegenen Punkt des botanischen Gartens, im Zentrum des Dahliengartens und
in der Fluchtlinie der Hauptachse stand ein kleiner Pavillon auf rundem Grundriss. Seine
aus gelb-buntem Klinker gemauerten Rundsäulen trugen ein eigenwillig geformtes,
abgestuftes Dach. Mitten im Waldteil dieses zweiten Parkabschnitts entstand ein großer
Kinderspielplatz mit Sandkisten, Schwebebäumen und anderem mehr.
Der dritte Parkteil wurde auf einer weiteren Fläche von 30 ha angelegt und konnte bis
1920 im Rohbau fertig gestellt werden. Bereits 1916/17 wurde das niederdeutsche
Bauernhaus der Gartenbauausstellung von 1914 am Rande dieses Parkabschnitts neu
aufgestellt und diente als Gasthaus. Es entstand lediglich eine Freilichtbühne in der
Form eines Heckentheaters. Die Anlage zur Gedächtnisstätte für die im Weltkrieg
gefallenen Altonaer steht im Mittelpunkt des dritten Parkteils. Ein besonders langer,
gerader Weg führt durch den Wald auf einen künstlich geschaffenen Hügel hinauf. Der
Bergkegel wurde mit kreisförmigen Terrassen und umlaufenden, kubisch beschnittenen
Eichen gefasst. Von vier Seiten erlauben Stufen den Anstieg zur obersten Ebene. Hier
steht eine letzte, mannshohe Steinplattform, die ebenfalls mit Stufen in vier Richtungen
versehen ist, vom Volksmund „der Tutenberg“ genannt.

Stadionanlagen
Der 4. Parkteil, die 150.000 m² große Sportanlage im Volkspark, in ihrer Form und
Ausprägung von Tutenberg bereits angelegt, ist noch einmal 28 Hektar groß. „Es
wurden [Park]Flächen an Sportvereine abgegeben, Teile davon konnten im Winter zu
einer Eisbahn umgewandelt werden, es gab ein Planschbecken mit 5.000 m²
Wasserfläche, ein Licht- und Luftbad ... Ferner gab es Fußball- und Hockeyplätze und
eine Festwiese mit Steh- und Sitzplätzen für 45.000 Personen. Neben diesem Stadion
wurde ... noch ein großes Schwimmbassin für Schwimmer und Nichtschwimmer
geplant ...“
Nach den Entwürfen von Oelsner entstehen
die Hochbauten für die Stadionanlagen in
Form einfacher, unverzierter
Gebäudekubaturen oder als rein funktional
gestaltetes Ingenieurbauwerk, wie der
Sprungturm des Schwimmstadions. Die
Tribünenanlage für das Stadion bestand aus
einem einfachen Gebäudekubus mit davor
gesetztem, auf Stützen ruhenden, weit
auskragendem Dach. Die Erschließung
erfolgte über vorn und seitlich angeordnete
Treppen, im Sockelgeschoss befanden sich
Umkleideräume. Eröffnet wurde das Stadion
im Rahmen der Altonaer Turn- und
Sportwoche am 13. September 1925. Im
Juni 1927 wird das Schwimmstadion mit
seinem Sprungturm, einer offenen, nach
oben pyramidenförmig verjüngten und von
einer Fahnenstange bekrönten
Stahlbetonkonstruktion mit vier
unterschiedlichen Sprungplateaus und einer
eingefügten gläsernen Aufsichtskabine
eröffnet. Das Eingangsgebäude für das
Schwimmstadion zeigt sich in klarer
kubischer Form und den typischen gelb-
bunten Klinkern. Im 10.000 m² großen Licht-
und Luftbad ist ein eingeschossiges Gebäude
platziert, in welchem sich die Garderobe,
Wasch- und Duschräume, die Teestube, Küche
und Liegehallen befanden und einen freien Lichthof umgrenzten. Die ganze Familie
sollte den Park im Sinne des Gedankens der Volksgesundheit nutzen können. Dafür
wurde eigens eine Straßenbahnlinie bis zur Stadionstraße - aus Altona kommend -
eröffnet.
Fazit
Der Volkspark erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit, jedoch sind durch
erhebliche Infrastruktur-Maßnahmen (Müllverbrennungsanlage, Autobahn A7 etc.) und
andere Umstrukturierungen die seinerzeit geltenden Gestaltungsgrundzüge und die
damit verbundenen Ideale kaum noch wiederzuerkennen oder aufzuspüren. Wegen der
neuen Trasse der A7 ist der Volkspark von Bahrenfeld aus nicht mehr direkt zu
erreichen. Sein „Haupteingang“ in der Nähe der Trabrennbahn ist im Stadtbild nicht zu
finden. „AOL-Arena“ und „ColorLine-Arena“ haben das ursprüngliche „Volks-“Stadion
vernichtet. Sie dokumentieren den Event-Charakter unserer heutigen Gesellschaft. Die
anderen Gebäude wurden umgebaut und umgenutzt, oder warten z. T. auf neue
Nutzungen.
Der Volkspark ist somit als Einheit unter den vielfältigen Angeboten unter dem Begriff
der „Volksgesundheit“ nicht mehr erfahrbar.
(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)
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