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OELSNER VITA / BAUTEN


Lebenslauf

Gebäude in HH - Altona

Wohnungsbauten
Bahrenfelder Steindamm
Rathenaupark “Moltkeblock”
Augustenburger / Kieler Str.
Koldingstraße
Lunapark
Helmholtzstraße
Schützenstraße
Luruper Chaussee
Steenkamp-Siedlung
Rulantweg
Otzenstraße

Wohlfahrtsbauten
Schwesternwohnheim
Arbeitsamt Kieler Straße
Gewerbeschule
Pestalozzi-Schule

Gebäudeverlust





           

A R B E I T S A M T   A L T O N A


  Lage
In der Reihe der kommunalen Bauprojekte in Altona wurde 1927 das Arbeitsamt in der Kieler Straße fertig gestellt. Mit seiner, für die damalige Zeit außergewöhnlichen Architektur präsentierte sich das öffentliche Gebäude auf einer großen Freifläche, quer zur Kieler Straße (ehemals Pinneberger Chaussee), im damaligen Neubaugebiet in Altonas Norden.

Architektur
Das Arbeitsamtsgebäude ist ein ebenerdiger kubischer Bau mit einem Innenhof und einem Flachdach. Lediglich die Frontseite ist mit einem Aufbau versehen, welcher als einziger hierarchische Merkmale am Gebäude erkennen lässt. Dieser Aufbau diente als Chefetage. Das Arbeitsamt bestach als Betonskelett - Rasterbau mit seiner immer wiederkehrenden Anordnung der Fensteröffnungen und seiner Vielzahl an Eingängen. Die Fassade beeindruckte durch ihre klar definierten hochkantigen Rasterfelder, zwischen schlanken Stahlbetonpfeilern mit den ebenfalls hochkant angebrachten Keramikplatten. Da diese Bauform jedoch für den Betrachter neu war und jedes Feld optisch dem anderen glich, mussten die Eingänge zu den unterschiedlichen Gewerken mit Hinweisen in Form von Schildern und zusätzlichen Kugelleuchten, über dem jeweiligen Eingangsbereich, gekennzeichnet werden.

In der Fassade hat die Form des Rechtecks architektonisch eine ganz besondere Bedeutung gefunden und taucht in allen Bereichen der Fassadengestaltung auf. Zu sehen ist es in jedem Rasterfeld, in den hochkantigen Keramikplatten und in der senkrechten Fenstereinteilung.

Um die Problematik des Organisationsablaufes für die Arbeitsuchenden zu lösen, entwarf Oelsner etwas Neues: Die Beratung der Arbeitssuchenden lief in einzelnen, von außen zu betretenden Vermittlungs- stellen ab, die nach Gewerken verschieden waren und damit v erhinderten, dass sich zu viele Menschen im Wege standen. Zudem hatte das Arbeitsamt im Inneren einen offenen Schalter zur Arbeitslosmeldung. In Norddeutschland war das Arbeitsamt der erste Bau in solch einer Art. Bis dato kannte die Bevölkerung nur die „Kasernenstuben“, wie die farblosen Behördenbauten damals abwertend genannt wurden. Im Inneren des neu errichteten Amtes sorgten die „Lichtfülle“, wie man es damals beschrieb, und die farbenreiche Gestaltung der Innenräume für eine positive Ausstrahlung bei den Besuchern. In den Altonaer Nachrichten hieß es dazu: „Luft und Licht - das ist …der erste überwältigende Eindruck, wenn man den Bau betritt. Große breite Fenster tauchen das Innere des ganzen Gebäudes in Helligkeit.

Farbe fängt diese Helligkeit auf, Farbe an den Wänden, Farbe an den Türen, den Möbeln, den Tischflächen und den Kacheln des Flures. Farbe in verschwenderischer Fülle, geeignet zu erheben und zu befreien im Gegensatz zu den Kasernenstuben der düsteren Behörden, die man sonst kennt. Man ist nicht schüchtern gewesen beim Ausschütten der Farbtöpfe, nein, da lacht oft ein zartes Himmelblau neben dem krassesten Rot. Die Kacheln der prächtig schlichten Eingangshalle sind in scharfem Ocker gehalten, während die Möbel teilweise ein kräftiges Grün zeigen“ (Altonaer Nachrichten 161/1927) Da keine Farbfotografien vom Arbeitsamt existieren, welche die farbenfrohe Innengestaltung zum Ausdruck bringen könnten, tragen diese Auszüge aus den Altonaer Nachrichten dazu bei, ein Widererleben der damaligen Impressionen nachzuempfinden, die die Auffassung der positiven Wirkung der Farben auf die Arbeitsuchenden widerspiegeln. Zu der Beschaffenheit des Gebäudes gibt es weitere interessante Mitteilungen aus dieser Zeitung: „Hell und leicht wirkt der Bau, leicht besonders, weil er nicht aus dem schweren Klinkerstein geschaffen wurde, sondern aus den größeren Klinkerplatten … Bewusst hat sein Schöpfer, Stadtbaumeister Oelsner, etwas Neues geschaffen, etwas, das sich freigemacht hat von den herkömmlichen öden Fassaden der Behördenbauten…“ (Altonaer Nachrichten 161/1927)

Manche Zeitzeugen lobten das Arbeitsamt aufgrund seiner bürgerfreundlichen, hellen Ausstrahlung. Sie berichteten über viele Menschen, die sich morgens vor den einzelnen Abteilungstüren aufhielten, ohne dass es zu Gedränge kam, da die freizügige und offene Gestaltung dies nicht zugelassen hat. Auch der offene Schalter fand viel Resonanz bei den Menschen, da es so etwas noch nicht gegeben hatte.

Fazit
Der Erweiterungsbau, der über einen Verbindungsgang an den älteren Bautrakt anschließt, wurde Anfang der 50er Jahre erbaut und lehnt sich architektonisch an den Stil von Gustav Oelsner an. Im Jahre 2000 begannen die Sanierungsarbeiten des seit 1993 denkmalgeschützten Arbeitsamtsgebäudes, das seit dem Auszug der Kindergeldkasse 1995 leer stand. Das Gebäude wurde den Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst und umgestaltet. Nach einer umfassenden Renovierung ist das Arbeitsamt im Dezember 2001, fast 75 Jahre nach der Eröffnung, wieder in sein angestammtes Dienstgebäude zurückgezogen. Von den 16 Eingängen wurden 13 durch Fenster ersetzt. Die farbigen Außenkacheln sind leicht verändert durch neue ersetzt worden, die grünen Möbel und die bunten Innenwände fielen dem Zeitgeschmack zum Opfer.

Im Obergeschoss befindet sich nicht mehr die Chefetage mit der Geschäftsstellenleitung, sondern die Berufsberatung. Die Geschäftsstellenleitung befindet sich heute in dem, in den 50er Jahren erbauten Nebengebäude des Arbeitsamtes. Heute, nachdem das „ursprüngliche“ Arbeitsamt wieder das neue Arbeitsamt für Altona beinhaltet und die Renovierung abgeschlossen ist, haben sich einige äußere und innere Merkmale des Gebäudes verändert. Zwar wurde behutsam mit der Renovierung umgegangen, jedoch vermeidet diese nicht eine teilweise Umgestaltung der Innenräume für die heutigen Bedürfnisse der Arbeitsuchenden. Durch die neue Einteilung ist die markante Rasterung im Gebäudeinneren teilweise verloren gegangen. Diese Rasterung jedoch diente Oelsner bei der Organisation des Beratungsablaufes als wichtiger Faktor für die Raumeinteilung. Die Eingangshalle wurde verkleinert, die helle und luftige Treppe blieb dabei unverändert großzügig erhalten, ebenso das Treppengeländer, jedoch musste es auf die heute erforderliche genormte Höhe gebracht werden. An der Fassade wurden die beschädigten, alten Keramikfließen durch neue, mit einer passenden Tonmischung gebrannten, Fliesen ersetzt. Die ehemaligen Zugänge zu den Beratungsstellen wurden mit zum Boden reichenden Fenstern versehen, welche so die Eingänge nicht ganz vergessen lassen. Der Gesamteindruck des Gebäudes ist nach wie vor, wegen seiner guten Proportionen und seiner Farbigkeit, äußerst positiv.

(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)