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OELSNER VITA / BAUTEN


Lebenslauf

Gebäude in HH - Altona

Wohnungsbauten
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Gebäudeverlust





           

B A H R E N F E L D E R   S T E I N D A M M


 
Baujahr: 1927/28
Stadtteil: Ottensen
Straße: Thomasstraße
Bahrenfelder Steindamm
Haustyp: Wohnblock
Geschossigkeit: 4-geschossig




Lage
Im Stadtteil Bahrenfeld nahe der S-Bahnlinie Altona-Bahrenfeld, Thomasstraße Ecke Bahrenfelder Steindamm wurde 1927/28 ein 4-geschossiger Wohnblock von Oelsner in Blockrandbebauung errichtet. Er sollte dazu beitragen, Baulücken zu schließen und Anschlüsse an die vorhandene Blockrandbebauung der Gründerzeit herzustellen. Die Planung hatte sich dabei auf bereits festliegende Straßenachsen einzurichten. Da Oelsner für eine Herabsetzung der innerstädtischen Besiedlungsdichte plädierte, wurde der Wohnblock nur mit vier Stockwerken errichtet, obwohl die Bauordnung eine fünfgeschossige Bebauung zuließ.


Entwurf
Das Bauwerk spiegelt Oelsners Experimentier- freude wider, die sich in der großzügigen, nahezu halbkreisförmigen Rundung, welche das Gebäude vollzieht, ausdrückt. Die dynamische Gebäudeform war von Hans Poelzig und Erich Mendelssohn inspiriert und wirkt aus der Perspektive eines schnell Vorbeifahrenden. Mit Brüstungsbändern gliederte er die Fassade großflächig-horizontal, unterstützt durch abwechselnd ockergelben und roten Stein und mehrfach geteilte, horizontale Fensterformate. In den geraden Gebäudeabschnitten strukturieren vorgezogene Treppenhäuser den Block vertikal. Im Bereich der horizontal gegliederten Rundung liegen die Treppenhäuser auf der Seite des Innenhofes, um die horizontale Struktur nicht zu unterbrechen.

Indem die Brüstungsbänder gürtelartig den ganzen Bau umschließen, wird der Blick des Betrachters in die Tiefe der Straße gelenkt, die Ausdehnung des Wohnblocks hervorgehoben und als kompaktes Ganzes erfahrbar gemacht. Das Fehlen von Erkern, Giebeln und Traufen sowie die bündig in die Wand eingelassenen Fenster schärften die „kantige Eckausrundung“. Schießschartenartige Luken im Bodengeschoss ließen den Eindruck einer „Stadtmauer“ entstehen.

Auf der Hofseite hingegen öffnet sich der Block ganz natürlich durch seinen V-förmigen Grundriss. Oelsner war auch im Innenhof eine möglichst glatte Fassade wichtig, daher hat er auf Balkone verzichtet und stattdessen Loggien eingebaut, welche von der Küche aus zu betreten sind. An diese Loggien angegliedert ist je eine kleine Kammer, welche von der Küche als auch von der Loggia zu öffnen ist. Zur Zeit der Kohleöfen dienten diese belüfteten Kammern als Abstellplatz für den Behälter mit der heißen Asche, heute werden sie als natürliche Speisekammer genutzt. Die Loggien und großzügige Fenster der rückwärtigen Räume schaffen den Übergang vom Innen- zum Außenraum. Ein geschützter Innenbereich, mit Bepflanzung, Spielmöglichkeiten und einem Waschhaus wurde damit dem urbanen Außenbereich der Straßenseite gegenübergestellt; wohnliche Intimität und blockhafte Einheitlichkeit kontrastieren miteinander.

Die Variation in der Steinverwendung und die fast halbkreisförmige Eckabrundung brachten dem Gebäude den Spitznamen „Schichttorte“ ein. Das Gebäude zeigt den Material- und Farbklang der Backsteinbauweise Oelsners und zugleich die Klarheit des Neuen Bauens.

Grundrissgestaltung
In seiner ursprünglichen Form umfasste das Gebäude vier Geschosse, mit 83 Klein- und Mittelwohnungen, zuzüglich eines Kellergeschosses sowie einem fast geschosshohen Dachboden, das Dach war nicht sichtbar geneigt, so dass das Gebäude eine streng kubische Form aufwies.

Alle Wohnungen werden als Zweispänner erschlossen. Die Wohnungen in den geraden Gebäudeabschnitten haben 2 ½ Zimmer und ca. 70 m² Grundfläche. Zum Innenhof liegen die Nebenräume, Wohnküche, Loggia, Bad und Kammer. Die fast gleichgroßen Zimmer orientieren sich zur Straße. Die Wohnungen im runden Gebäudeabschnitt sind größer, zwischen 3 und 5 ½ Zimmer. Die Grundrisse greifen mit der Figur eines gebogenen langen Flures die besondere Gebäudeform wieder auf, so dass alle Räume zwei gebogene Wände haben. Die Flure sind teilweiseso lang, dass beim Betreten der Wohnung das Ende des Flures nicht zu sehen ist, da es hinter der Krümmung verschwindet. Die Struktur der Grundrisse gleicht denen der geraden Wohnungen, die Nebenräume sind zum Innenhof gewandt, die Zimmer liegen auf der Straßenseite. Die Zimmer sind alle gleich groß und teilweise mit Flügeltüren untereinander verbunden. Entstanden sind in hohem Maße flexibel zu nutzende gleichrangige Zimmer, die auch heutigen Anforderungen gerecht werden.

Besondere Gestaltungsmerkmale
Im EG der Rundung befinden sich repräsentativ gestaltete Gewerberäume. Dies hängt zum einen mit der verkehrsgünstigen Lage zusammen, zum anderen mit der Tatsache, dass ein dreieckiger Vorplatz entsteht, auf dem damals kugelförmige Milchglasleuchten auf schlanken Schäften das Bild des modernen Wohnquartiers vervollständigten. Kupferne Ladenbeschriftungen in einheitlichen Lettern verliehen einen Hauch von Eleganz. Dadurch, dass die Thomasstraße sowie der Bahrenfelder Steindamm in Richtung Südosten abfallen, wird eine maximale lichte Geschosshöhe von 4,14 m erreicht. In der Symmetrieachse ist der größte Geschäftsraum gelegen, in dem seit Bestehen des Gebäudes bis zum Jahr 2000 eine Apotheke geführt wurde. Die dazugehörige Apothekerwohnung im 1. OG wurde zusätzlich zum Treppenhaus durch eine innenliegende Treppe erschlossen, ebenso gibt es einen direkten Kellerabgang. Der Zugang zu diesen Geschäftsräumen, die heute von einem Architekturbüro genutzt werden, ist im Bereich der Türschwelle mit ausgerundeten Ecken der Schaufensterverglasung, einem immer wiederkehrenden Motiv, besonders sorgfältig gestaltet. Zwei weitere Geschäftsräume schließen sich links und rechts der ehem. Apotheke an.

Bauliche Veränderungen 1934
Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergreifen, die architektonisch einen traditionalistischbodenständigen Siedlungs- und Wohnungsbau vertraten, wurde das „Neue Bauen“ per Verordnung verboten, die Vertreter dieses Baustils konnten ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben und gerieten somit, sofern sie sich nicht anpassten, ins Berufsverbot. Oelsner wird von den neuen Machthabern in den Ruhestand versetzt und sogar der Verschwendung von Baugeldern und des Amtsmissbrauchs angeklagt, konnte diese Vorwürfe jedoch glücklicherweise alle widerlegen.

Mit dem Verbot des „Neuen Bauens“ gerieten auch die schon entstandenen Bauten dieses Stils in Misskredit, die „... sattellose, flache Dachform .... entspricht nicht dem Verständnis arischer Architektur.“ Im März 1934 beschloss der neue Aufsichtsrat der SAGA die Aufstockung der Wohnblöcke mit flachen Dächern. Die bisherigen Bodengeschosse wurden nach dem Beschluss zu einem fünften Wohngeschoss ausgebaut und darüber ein schräges Dach mit neuen Bodenräumen gesetzt, welches dem Architekturverständnis der Nationalsozialisten entsprach. Nach der Bauordnung waren diese Aufstockungen zulässig – Oelsner hatte die erlaubte Geschosszahl unterschritten. Nun wurden seine Wohnbauten nachträglich in Mietshäuser konventionellen Typs umgewandelt. Die Aufstockungsarbeiten rühmt der SAGA-Geschäftsbericht von 1934 „... und damit in Verbindung stehende Beseitigung der unschön wirkenden Flachdächer haben allgemeine Beachtung, auch außerhalb der Grenzen Altonas, gefunden.“

Fazit
Im Rahmen des Ausbaus und der Aufstockung mit einem Schrägdach werden unter anderem die kleinen schießschartenförmigen Luken durch Fenster in den vorhandenen Größen ersetzt. Durch diese baulichen Veränderungen verliert das Gebäude seine streng kubische Form und seinen Charakter als „Stadtmauer“. Eine weitere starke Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes entsteht durch den Ausbau der horizontal gegliederten Schiebefenster. Die von Oelsner gemäß seiner Reformideen gewünschte gute Belichtung des Innenhofes hat unter dem nachträglich erfolgten Dachaufbau ebenfalls stark gelitten.

Die während der Nazizeit vorgenommenen baulichen Veränderungen nehmen dem Gebäude seine Klarheit, seine Modernität, seine Strenge und seine Harmonie. An diesem Beispiel sieht man, wie schnell eine herausragende und besondere Architektur durch einige wenige, jedoch wesentliche, Veränderungen banalisiert werden kann und zu einem gewöhnlichen Wohnblock avanciert, dem wenigstens seine runde Ecke geblieben ist.

(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)