G E W E R B E S C H U L E
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Lage
Das sog. Haus der Jugend wurde
zwischen 1928 und 1930 gegenüber
dem Altonaer Rathaus an der Ecke
Museumstrasse/Ottensener
Marktplatz von Gustav Oelsner
errichtet. Es schloss damit eine
bedeutende bauliche Lücke am Platz
der Republik, der am Altonaer
Bahnhof beginnend, mehrere
öffentliche Repräsentationsbauten
über die Reichsbahndirektion, dem
Altonaer Museum und dem Rathaus
vereinte und sich mit seiner extrem
kompromisslosen, schlichten
Architektur aus einem Stahlbeton-Skelettbau gegenüber den anderen im Historismus
erbauten öffentlichen Gebäuden deutlich absetzte. Der Begriff des „Hauses der Jugend“
wurde aus pädagogischen Gründen bewusst gewählt, um die in dieser Schule
vereinigten elektrotechnischen Handwerks- und verschiedenen Handelsberufe im
Rahmen eines neuen Berufsschulkonzeptes auch nach außen hin deutlich zu machen.
Architektur
Der Schulkomplex gliedert sich in
mehrere Baukörper, die mit
unterschiedlichen Höhen und
Proportionen ineinander geschoben
sind und mit dem jeweils höchsten
Baukörper an die bestehenden älteren
Gebäude am Ottensener Marktplatz und
am Museumsgebäude anschließen.
Die sechsgeschossige Massigkeit des
Gebäudes umgeht Oelsner gegenüber
dem Altonaer Rathaus dadurch, dass er
die dem Rathaus gegenüber liegende
Gebäudeecke auf nur drei Geschosse
reduziert und damit eine verblüffende Harmonie in den Gesamtkomplex bringt.
Erst durch das Foyer des heutigen Altonaer Theaters - ursprünglich die Aula des Hauses
der Jugend - springt der erwähnte dreigeschossige Gebäudeflügel auf fünf Geschosse
wieder in die Höhe und bildet zusammen mit der Südfassade des Museums einen zur
Straße hin offenen Hof, der zum Haupteingang der Schule selbst führt. Zwischen
niedrigerem und höherem Gebäudeteil befindet sich ein Innenhof für den
Schüleraufenthalt, der in seiner architektonischen Ausgestaltung von höchster Qualität
ist. Die Flachdächer verstärken den kubischen Eindruck des Gesamtgebäudes, sie sind
nicht nur ein konstruktives und damit auch gestalterisches Element der Architektur,
sondern dienen - vergleichbar dem Konzept der Pestalozzi- Schule - auch dem
Aufenthalt der Schüler als sog. Freiluftklassen.
Die Stahlbeton-
Skelettkonstruktion ist
nach außen sichtbar
geblieben. Dabei wird auf
die Eckpfosten an der
Museumsstrasse
verzichtet, und die Ecke
wird verglast, so wie die
gesamten
Fassadenflächen, bis auf
die niedrige durchlaufende
Brüstung, die mit
Kupferplatten verkleidet
wurden.
Der Rhythmus der Pfosten-Riegelelemente und den dazwischen liegenden schmalen
Stahlrahmen der Fensterflügel gab dem Erscheinungsbild der Schule einen leichten,
fast filigranen Ausdruck, „vergleichbar mit dem Schritt in der Baukunst von der
Romanik zur Gotik mit den sich durch Fensteröffnungen auflösenden Mauern“. Das
statische Grundgerüst des Stahlbeton-Skelettbaus der Schule ist im Übrigen durch
Ortbeton in auf der Baustelle entstandenen Schalungen entstanden, die über
Druckleitungen direkt gefüllt wurden, was damals eine Neuerung im Bauprozess
dargestellt hatte.
Fazit
Im Inneren überraschte der Schulbau durch
seine großzügigen,
weiten Treppenhäuser und Flure, die leider in
der Nachkriegszeit durch den Einbau von
Fluchttüren und Brandabschnitten in
Mitleidenschaft gezogen worden sind.
In diesem Zusammenhang ist auch zu
erwähnen, dass die ursprüngliche Farbigkeit
von Wänden und Türen einem Einheitsweiß
gewichen ist und die Klassenräume zur
Verbesserung der Akustik heruntergezogene
Decken mit schallschützenden Elementen
bekommen haben. Die ehemalige Aula der
Schule, die heute das Altonaer Theater
beherbergt - anstelle des 1943 zerstörten
Theaters an der Königsstrasse - ist vor
wenigen Jahren weitgehend in ihren
ursprünglichen farbigen Originalzustand
zurück versetzt worden.
Auf dem gleichen Grundstück, aber
an der Braunschweiger Strasse
gelegen, konnte Oelsner ein Jahr
später die sog. Uhrmacherfachschule
fertig stellen, die von dem gleichen
Konstruktions- und Gestaltungsprinzip
ausging wie das „Haus der Jugend“.
Dieses Gebäude ist eines der
wenigen, die Oelsner gebaut hatte,
die bis heute ihre ursprüngliche
Gestaltung erhalten konnten. Nur
die Nutzung des Gebäudes hat sich
gewandelt, es gehört dem Altonaer
Museum mit seinen
Verwaltungseinrichtungen.
(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)
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