D I E G R Ü N G Ü R T E L
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Bereits während seines Studiums der Architektur in Berlin hatte Gustav Oelsner
Kontakt zu den frühen medizinisch hygienischen Reformbestrebungen durch seinen
Bruder, der in Berlin Medizin studierte. Er besuchte vereinzelt Vorlesungen zum Thema
Sozialhygiene an der Humboldt-Universität in Berlin. Später verband er diese
Erkenntnisse mit der Erfahrung im Städtebau und den städtebaureformerischen Ideen
Ebenezer Howards, dem Gartenstadtgedanken. Aus ihnen erwuchsen Schlagworte wie
Stadtkörper, Organismus, Grüne Lunge, Licht und Luft, die bis heute ihre Bedeutung in
der Stadtentwicklung haben. Tuberkulose- und Choleraepidemien waren in den dicht
bebauten Mietshausvierteln der Großstädte des 19. Jahrhunderts ein Problem, welches
sich auf die schlechten hygienischen Verhältnisse zurückführen ließ. Oelsner war es
wichtig, dass die Großstädte „geheilt“ wurden, indem man den Bewohnern mehr Raum
zur Erholung bietet. In diesem Zusammenhang forderte er in Altona die ersten
Grundzüge einer sozialen Grünpolitik, die allen Bewohnern einer Großstadt zu Gute
kommen sollten. Öffentliche Parks und Grünflächen, in denen alle Klassen sich zur
Erholung, zu Sport und Spiel einfinden konnten.
Grüngürtelplan
Anfang 1923 wurde Gustav
Oelsner vom preußischen
Wohlfahrtsministerium mit der
Entwicklung eines
Generalsiedlungsplans für das
Unterelbegebiet für den Hamburg-
Altonaer Raum beauftragt. Eine
der ersten Handlungen während
dieser Arbeit war, zu verhindern,
dass Blankenese den bis dahin
privaten Baurs Park parzellieren
ließ. „Es war das erste Aktenstück,
das ich am ersten Tage meiner
Arbeit im Ministerium für
Wohlfahrt 1923 auf meinem
Schreibtisch vorfand“ (G. Oelsner).
Der erste Schritt in Richtung der
Grünpolitik war getan.
1924 stellte der Altonaer Magistrat einen förmlichen
Antrag an die preußische Regierung auf
Eingemeindung der Altonaer Vororte Eidelstedt,
Lokstedt, Stellingen-Langenfelde und Lurup sowie
Klein- und Groß- Flottbek, Osdorf und Nienstedten.
Bürgermeister Max Brauer und Gustav Oelsner
starteten eine Kampagne für das größere Altona.
Im Zuge dieser Werbekampagne wurden auch die
Pläne für den Generalsiedlungsplan,
dessen Bestandteil der so genannte Grüngürtelplan war,
mit in die öffentliche Diskussion eingebunden.
Der Antrag stieß bei den Vorortgemeinden auf große Ablehnung. Die daraus entstehende
Diskussion nutzten sowohl Max Brauer als auch Gustav Oelsner dazu, ihre
städtebaulichen Konzepte vorzustellen. In verschiedenen Reden, Ende 1924, stellte
Oelsner seine Ideen für die Kommunalisierung der großen Privatparks in den Elbvororten
vor, um sie der Großstadtbevölkerung zugänglich zu machen.
Oelsner versuchte, mit seiner Grünpolitik, gerade das Entstehen weiterer Villenviertel in
den Elbvororten und somit die vollständige Bebauung von vorhandenen Grünflächen zu
verhindern. Die bis dahin übliche Absperrung des Elbufers durch Stacheldrahtzaun
gehörte ebenfalls dazu und machte diese soziale „Grünpolitik“ für die Altonaer Bürger
und Arbeiter durchaus populär. Weg von den stilisierten Parklandschaften der
Oberschicht, hin zu Naherholungsgebieten für alle Gesellschaftsschichten. Dies war ein
Kernpunkt seiner Politik.
Am 1. Juli 1927 wurde die Eingemeindung der Elbvororte doch Realität. Der preußische
Landtag hatte zuvor im Frühsommer über die Gebietsreform „Groß-Altona“ abgestimmt
und sie verabschiedet. Zu der ursprünglichen Forderung beschloss der Landtag noch die
Eingemeindung von Blankenese und Rissen. Durch diese Landreform vergrößerte sich
das Gebiet Altonas von 2.180 ha auf 9.265 ha, die Einwohnerzahl erhöhte sich dabei
lediglich von 185.653 auf 232.576.
Die Stadtbauabteilung stellte dann im Jahr 1925 den „Grüngürtelplan“ vor. Er sah drei
ringförmige „Grüngürtel“ jeweils im Westen und Nordwesten Altonas vor. Die beiden
äußersten Gürtel lagen dabei nicht mehr auf Altonaer Stadtgebiet.
Von den Elbvororten, als weiterer Schritt in Richtung der Eingemeindung verstanden,
gab es nach seiner Veröffentlichung starke Proteste.

1. Grüngürtel
Wichtige Bestandteile dieses Grüngürtels waren in Altona der Platz der Republik, die
Palmaille mit ihren Ufergärten und Grünpromenaden, der Klopstockfriedhof, das
Ausstellungsgelände (früher Donnerkoppel), die Elbchaussee (früher Flottbeker
Chaussee) mit ihren Gärten, der Donners Park und der beginnende Uferweg sowie der
Rathenaupark mit der Rolandsmühle. Im Norden folgten der Bahrenfelder Waldpark und
die drei evangelischen Friedhöfe, der israelitische und der Mennoniten-Friedhof. In den
Jahren 1924 bis 1927 entstand die so genannte Isebekanlage parallel zur
Augustenburger Strasse, mit großzügig aufgeteilten Wohnbaublocks, deren Höfe soziale
Grünflächen enthielten.
2. Grüngürtel
Während bei dem ersten Grüngürtel die einzelnen Parks noch in einem lockeren Verbund
eng um den Altonaer Stadtkern gelegen waren, sollte sich das bei der Gestaltung des
zweiten Grüngürtels ändern. Er zog sich, angefangen beim Jenischpark über den Golf-
und Poloplatz, weiter zum früheren Exerzierplatz, der später zum Flughafen wurde, in
Richtung der großen Grünflächen des Hauptfriedhofes, des Volksparks, um am
Niendorfer Gehege, unterbrochen vom Güterbahnhof, zu enden. Im Wesentlichen ist
diese Konzeption nur durch die Eingemeindung der zehn Vororte möglich gewesen. In
diesem Zusammenhang stehen der Volkspark und der Hauptfriedhof der Stadt Altona,
der 1920 an der Stadionstraße errichtet wurde. Seit dem 1. Oktober 1927 gehört der
Jenisch Park, der zunächst nur für zehn Jahre gepachtet war, ebenfalls zum zweiten
Grüngürtel. Insgesamt macht die Grünfläche des 2. Grüngürtels 333 ha aus.
3. Grüngürtel
Am äußersten Nordwesten von Altona gelegen beginnt der dritte Grüngürtel wieder im
Süden an der Elbchaussee. Hier findet man den Hirschpark mit insgesamt 27 ha Fläche,
der bereits im Jahre 1925 von der Gemeinde erworben wurde und der Baurs Park.
Zusammen mit dem Bismarckstein, dem ehemaligen Gemeindepark Blankeneses, und
seinem Aussichtsturm bieten sich hervorragende Blicke von hier aus über die EIbe. Der
äußerste der drei „Grüngürtel“ schloss nach Norden hin außerdem die Feldmark
zwischen den Dörfern Sülldorf, Rissen, Osdorf, Schenefeld, Halstenbeck und SchneIsen
mit ein. Zu Rissen gehört der Staatsforst Klövensteen mit einer Größe von 180 ha, der
als ein weiteres Ausflugsziel für die Altonaer Bevölkerung gedacht war.

Fazit
Die Grünanlagen aus den damaligen Grüngürteln sind bis heute weitgehend erhalten,
soweit sie nicht in der Nachkriegszeit bebaut wurden. Der frühere Exerzierplatz
beispielsweise ist mit dem DESY-Gelände überbaut worden, nachdem er bereits in den
20er Jahren als Flugplatz genutzt worden war. Kleinere Grünflächen sind durch den Bau
der Autobahn A 7 verloren gegangen oder wurden durch sie unterbrochen, so die
Verbindung zwischen Bahrenfeld und dem Volkspark.
Das derzeitige Konzept „GrünesNetzHamburg“ hat als Grundidee eine Achsenausrichtung
gemäß der einstigen Planung Fritz Schumachers. Zwei grüne Ringe verbinden diese
Landschaftsachsen und verschiedene Grün- und Erholungsanlagen. Es findet sich leider
keinerlei Hinweis darauf, dass das „GrüneNetzHamburg“ an dieser Stelle einen Teil der
Konzeptionen von Gustav Oelsner übernimmt.
In den Planungen sind sowohl der erste Grüngürtel als auch der dritte Grüngürtel nur in
kleinen Teilen vorgesehen, der zweite Grüngürtel soll hier als äußerster Ring zwischen
innerer und äußerer Stadt ca. 8 bis 10 km entfernt vom Rathaus ausgebildet werden.
Die Parkanlagen Jenischpark, Altonaer Volkspark, Niendorfer Gehege, Friedhof Ohlsdorf,
Öjendorfer Park, Wasserpark Dove-Elbe bis, auf der Südseite der Elbe, zum Harburger
Stadtpark und zum Meyerspark werden hier zu einem Grünen Ring verbunden. Im
Norden werden Kleingartengelände und Wälder und im Südwesten und Südosten
landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaften der Marsch mit eingebunden. Bei dem
„Grünen Netz Hamburg“ ist nicht nur der Nordwesten Hamburgs mit einbezogen, wie bei
Oelsners damaligem Altonaer Konkurrenzkonzept zu Hamburg, es sollen vielmehr zwei
komplette grüne Ringe um die Stadt gezogen werden. So wird als Neuerung eine die
Elbe übergreifende Planung mit zusätzlicher Achsenausrichtung im Konzept
aufgenommen. Der Jenischpark wird im Süden - auf der anderen Seite der EIbe - mit
dem Rüschpark fortgesetzt.
Bei der Konzeptentwicklung wurden die Ideen und damaligen Planungen von Fritz
Schumacher berücksichtigt, die von Gustav Oelsners leider weniger bzw. ohne die ihm
gebührende Anerkennung.
(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)
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