L U R U P E R C H A U S S E E
| |
| Baujahr: |
1929/30 |
| Stadtteil: |
Bahrenfeld |
| Straße: |
Luruper Chaussee |
| Haustyp: |
12 Wohnblöcke in Zeilenbauweise |
| Geschossigkeit: |
3-geschossig |
Lage
Nördlich der Steenkampsiedlung liegt ein Wohnquartier an der Luruper Chaussee, das
nach Oelsners Entwürfen von 1929 bis 1930 entstand. Es handelt sich dabei um
kommunalen Wohnungsbau der SAGA mit 378 Wohnungen, die in Form von zwölf
3-geschossigen Zeilen auf der Südseite rechtwinklig zur Luruper Chaussee errichtet
wurden.
Architektur
Bemerkenswert am Städtebau
dieser Siedlung ist die Stellung
der Gebäudezeilen zueinander:
die Baukörperanordnung ist
durch jeweils zwei unterschiedlich
breite Freiräume rhythmisiert.
Der schmalere Freiraum
dient der jeweiligen Erschließung
von zwei Häuserzeilen, der
folgende breitere Freiraum zur nächsten Hauszeile übernimmt sinnvoller Weise die
Funktion des Gemeinschaftsgrüns. Ursprünglich stand auf der mittleren Grünfläche
ein zentrales Wasch- und Heizhaus für die gesamte Mieterschaft, das inzwischen anders
genutzt wird.
Die Wohnhäuser waren, anders als
bei allen sonstigen Bauten Oelsners,
hier vollständig verputzt und hell
gestrichen. Es fehlten außerdem die
sonst üblichen Loggien oder
Wirtschaftsbalkone, was wohl den
knappen Finanzierungsmitteln der
Stadt Altona nach der
Weltwirtschaftskrise geschuldet wurde.
Alle Häuserzeilen waren mit
Flachdächern versehen.
1934 wurden diese Häuser bereits
umgebaut. Durch eine 2-geschossige
Aufstockung von zehn Gebäuden konnten
rd. 150 zusätzliche Wohnungen und
zusätzlicher Bodenraum gewonnen
werden und durch die Errichtung von
Satteldächern wurde die Architektur
ideologisch „arisiert“ Durch diese
baulichen Veränderungen verlor die
Bebauung ihr modernes kubisches
Erscheinungsbild und damit auch ihre
Proportionalität.
Grundrisse
Bei den Wohnungen handelt es sich durchweg um Kleinstwohnungen mit nur 50 qm
Wohnfläche mit der Möglichkeit zur Querlüftung. Auf der Ostseite der Wohnungen
liegen jeweils die Wohnküche und das kleine Bad, auf der Westseite zwei
Schlafräume. Dieser Wohnungstyp ist der gleiche, der an der Otzenstrasse in der
Altonaer Altstadt zeitgleich errichtet wurde. Er stellt ein Minimum an Fläche, aber
ein Maximum an Ausstattungsqualität dar. Die sog. „Laboratoriumsnische“ zum
Kochen ist ein Teil der Wohnküche, die beiden Schlafräume dienen den Eltern und
den Kindern.
Eine kleine eingeschossige Ladenzeile an der Ecke Theodeorstrasse mit einem
kurzen 3-geschossigen Wohnhaus verbunden gehört zu dieser Siedlung. Wie ein
aufgefalteter Fächer präsentierten sich diese Ladenpavillons mit ursprünglich sechs
verschiedenen Geschäften.
Fazit
Um ca. 1990 wurden die Bodenräume
zu 2-Zimmer-Wohnungen ausgebaut,
mit dem Resultat einer völlig
unverständlichen
Fassadenansicht. Dieses oberste
Wohngeschoss wird nun aus einer
vertikalen Fassadenfläche und aus
einem Teil des Satteldaches gebildet.
Die Proportionen der Fenster und
der Fassade dieses Geschosses
stimmen nicht mehr.
2001 ist die gesamte Siedlung erneut modernisiert worden, alle Häuser sind mit einer
Thermohaut und Iso-Fenstern mit neuen Dreh-Kippflügeln versehen worden.
Sämtliche Wohnungen haben einen Balkon erhalten. Damit ist mit Sicherheit der
Wohnkomfort gestiegen, aber von den Gestaltungsprinzipien Oelsners ist nichts mehr
zu erkennen. Der ursprüngliche Entwurf Gustav Oelsners ist vollkommen verfremdet
worden.
(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)
|
|
|