P E S T A L O Z Z I - S C H U L E
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Lage
Die im heutigen Bezirk Mitte liegende Schule an
der Kleinen Freiheit gehörte bis zum
Groß-Hamburg-Gesetz von 1938 zu Altona.
Johann Heinrich Pestalozzi
Die nach Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827)
benannte Schule kann an ihrem heutigen
Standort auf eine Vielzahl von Vorgängerschulen
zurückblicken. Ihr Name ist eng mit der
Geschichte der Volksschule verbunden. Seit dem
19. Jahrhundert entstanden durch das Wirken
des Schweizers Johann Heinrich Pestalozzi und
unter dem Einfluss des „modernen Geistes“, die
ersten sog. Volksschulen. J. H. Pestalozzi war
Erzieher und Sozialreformer und hob die bildende
Kraft der Arbeit sowie das Gemeinschaftsleben
hervor. Zudem räumte er der Liebe, dem Glauben
und der Weltanschauung - als innerer Sinne des
Menschen - bei der Erziehung große Bedeutung
ein. Pestalozzi gilt als geistiger Schöpfer der
modernen Volksschule, ihm folgte in verschiedenen europäischen Ländern die
Erziehungserneuerung, wie z. B. die Schulreform der 20er Jahre in Deutschland. Diese
Erziehungstheorie und die daraus resultierende Reformschule gewann im Zuge der
Demokratisierungsbestrebungen der Weimarer Zeit mehr und mehr an Boden.
Schulgeschichte
Am heutigen Standort der Schule
Kleine Freiheit 68, im damaligen
Sanierungsgebiet in der Altonaer
Altstadt, war bereits ein älterer
Schulstandort, dessen Gebäude bis
1927 abgerissen wurden, damit dem
Neubau von G. Oelsner Platz
geschaffen werden konnte. In ihrer
Erscheinung, Ausstattung und dem
modernen Raumprogramm übertraf
die Pestalozzi-Schule nicht nur die
vergleichbare Architektur anderer
Schulneubauten, sondern erfüllte die
Wünsche einer Reformpädagogik,
die die Erziehung zur Selbstständigkeit
und die Förderung der praktischen
Fähigkeiten des Schülers zum Ziel des
Unterrichts erklärte.
Architektur
Im November 1928 wurde der Schulneubau mit
dem Namen „Pestalozzi-Schule“ eingeweiht.
Leichtigkeit in der Architektur und neue Freiflächen
schafften Klarheit und Platz im dicht besiedelten
Gebiet zwischen „Großer und Kleiner Freiheit.“ Die
architektonische Gestaltung Gustav Oelsners nimmt
Rücksicht auf den Ort und seine Orientierung zu
den Himmelsrichtungen. Die Westseite des
Schulgebäudes erhebt sich mit einem 20 m hohen,
freistehenden Kubus und ist von der Straße deutlich
zurückgesetzt und bildet dadurch einen großen
Schulhof.
Das dunkle Klinkermauerwerk der Fassade, die
Fensterbänder in allen vier Geschossen sowie die
Flachdächer betonen die Horizontale. Diese
horizontale Gliederung wird lediglich im Bereich des
Treppenhauses durch eine vertikale Fensterreihung
an der Westfassade unterbrochen.
Das Treppenhaus ist lichtdurchflutet.
Die Fassade greift keine repräsentativen
Elemente der traditionellen Baukunst auf,
sondern präsentiert das Innere und
dessen funktionelle Bedeutung nach
außen. Orientiert man sich an den
Fensterbändern, der Baunaht über der
Turnhalle und der Höhendifferenz
zwischen dem Klassentrakt im Norden
und der Aula im Süden, so ist diese
übersichtliche Gliederung auch von
außen wiederzuerkennen.

Mit der großzügigen Öffnung
des Pausenhofes und der
Festsetzung der rückwärtigen
Baulinien des Schulgebäudes
bricht das Gebäude mit der
Bauweise der engen, licht-
und luftlosen Architektur der
Vorgängerbauten der
Kaiserzeit. Der Pausenhof
erweitert den Straßenraum,
an dessen Rand sich eine
halboffene Kolonnade befindet,
die den Schülern an
Regentagen Schutz bietet. Diese
als Schulhof und Sportplatz genutzte Freifläche umschloss das gesamte Schulgebäude
und stellte gleichzeitig die Verbindung zur benachbarten Mädchenvolksschule her.
1929-1930 wurde auf der Südseite des Schulhofes, anschließend an die
Bestandsbebauung, ein Wohnhaus von Gustav Oelsner mit 13 Wohnungen errichtet,
um den Neubaukomplex städtebaulich zu vervollständigen.
Das Innere der Schule ist großzügig
gestaltet und eingerichtet. Weite
und farbig gestrichene
Treppenhäuser, Flurpausenhallen,
helle Klassenräume, Turnhalle, Aula,
Fachunterrichts- und Werkräume
und Fotolabor erfüllten die
Anforderungen an eine
Reformschule weit über den
üblichen Standard hinaus.
Den neuen pädagogischen Ansätzen
folgten Freiluftklassen auf der
Dachterrasse, Naturkunde im
Volkspark und flexible Nutzungen
einer Aula. Die Aula der
Pestalozzi-Schule stand über
schulinterne Zwecke hinaus auch
für Stadtteil-Veranstaltungen,
Film- und Theatervorführungen
zur Verfügung.
Grundsätzlich zeigt sich die Architektur
von Gustav Oelsner immer in klaren
Linien und Proportionen, die durch
kubische und kompakte Baukörper
gekennzeichnet sind. Sie fügen sich
städtebaulich zu einem einheitlichen
Gesamtbild zusammen.
Fazit
Das Schulgebäude hat den Krieg
weitgehend unbeschadet überstanden.
Heute führt die Schule nur noch Vorschul-
und Grundschulklassen.
(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)
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