R E I H E N H A U S S I E D L U N G R U L A N T W E G
| |
| Baujahr: |
1927 |
| Stadtteil: |
Othmarschen |
| Straße: |
Rulantweg 2-16 |
| Haustyp: |
Reihenhaus |
| Geschossigkeit: |
zweigeschossig |
Lage
Im Jahre 1927 entstand die
Reihenhaussiedlung am Luisenweg
(heute Rulantweg) 2-16.
Die zum Haus gehörenden Grundstücke
sind jeweils ca. 300 m² groß. Den
Übergang zum öffentlichen Weg bilden
schmale Vorgärten, Rasenflächen und
Buchsbaumhecken.
Die Gesamtgrundstücksgröße beträgt 3.092 m², davon sind 720 m² bebaut. Das für
damalige Zeiten moderne Reihenhaus war für Bewohner der mittleren
Einkommensklasse geplant. Die ursprüngliche Planung sah eine beidseitige Bebauung
des Luisenwegs mit zwei Reihenhauszeilen vor, allerdings wurde nur die westliche
Häuserzeile (Haus Nr. 2 bis 16) realisiert.
Architektur
Oelsner sah im Reihenhausbau eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe des Städtebaus.
Er wollte damit auch wohlhabenden Leuten zeigen, wie man auf engerem Raum wohnen
könnte.
Die Reihenhäuser sind in Ost-West-Richtung orientiert, die Längsfront ist zum Rulantweg
ausgerichtet. Oelsner reduziert den Bau auf einfache kubische Formen, gestaltet durch
Durchdringungen von Körpern und mit dem Spiel von Material und Farbe.
Die kleinteiligen Einheiten der einzelnen Reihenhäuser werden durch horizontale Bänder
zu einem Block verbunden. Der Einsatz verschiedener Materialien gliedert die
Vorderfassade in horizontaler Richtung.
Das Dachgeschoss setzt sich durch einen
kleinen Versatz, gepaart mit einem
Material und Farbwechsel von den
unteren Geschossen ab. Erdgeschoss
und Obergeschoss sind mit dem von
Oelsner häufig verwendeten gelbbunten
Klinker, das Dachgeschoss mit einer
hellblau gestrichenen Holzverschalung
versehen. Ein weiteres Element zur
horizontalen Betonung sind die liegenden
Fensterformate, die als zwei-, drei- und
vierflügelige unterteilte Fenster mit
Lüftungsklappen ausgeführt wurden.
Eine Plastizität der Straßenfassade wird
durch vorgezogene Eingangseinfassungen
aus Beton erreicht.
Zum einen sind sie ein wichtiges gestalterisches Element der Fassade, zum anderen
bieten sie Wetter- und Sichtschutz im Eingangsbereich. In das Verblendmauerwerk
vertikal eingelassene breite Fugen trennen die wiederkehrenden Fassadenmodule der
einzelnen Häuser. Die sechs Häuser sind paarweise einander zugeordnet, dieses wird
durch die Doppelung der Hauseingänge sichtbar. Das Dachgeschoss ist als Staffel-
geschoss mit Flachdach ausgebildet, es springt auf der Gartenseite um mehr als drei
Meter zurück und betont nochmals den Baukörper in horizontaler Richtung.
Grundriss
Die Häuser sind zweigeschossig und voll
unterkellert. Bei dem Tragsystem handelt
es sich um einen zweiachsigen Querwandtyp.
Das Staffelgeschoss hat eine großzügige
Dachterrasse mit Pergola. Das einzelne,
relativ breite Reihenhaus hat eine
Abmessung von 7,50 x 11,12 m². Die
Wohnfläche beträgt 136 m². Als weitere
Nutzfläche kommt der Keller mit ca. 70 m²
und das Dachgeschoss mit ca. 40 m² hinzu.
Die Grundrisse sind klar und einfach
gegliedert. Im Erdgeschoss befinden sich
Küche, Gäste-WC, Wohn- und Esszimmer,
eine Schiebetür zwischen diesen beiden
Zimmern ermöglicht ein „Durchwohnen“.
Die Küche ist zum Garten orientiert und
bietet einen direkten Zugang zu diesem.
Im Obergeschoss sind zwei Schlafräume,
eine Kammer (z. B. Kinderzimmer) und das Bad angeordnet. Das Dachgeschoss hat
einen Abstellraum und zwei Wohnräume, von hier ist die große Dachterrasse erreichbar.
Auf einer Grundfläche von 80 m² entwickelt sich ein Haustyp von hoher Wohnqualität.
Die Ausstattung entsprach einem hohen Wohnstandard. Mit dieser Häuserzeile wurde
zum ersten Mal der Typ eines komfortablen Stadthauses realisiert. Als Baumaterialien
fanden für diese Zeit moderne Baustoffe Verwendung: Hohlsteindecken mit
Tragkonstruktion aus I-Trägern, Stahlbeton (z. B. für Unterzüge), Asphaltestrich,
zweischalige Konstruktion mit Luftschicht für die Außenwände, leichte Holzkonstruktion
für das Flachdach mit leichter Neigung.
Oelsner zeichnete sämtliche Details für Fenster, Außen-, Innen- und für die Schiebetüren.
In diesen, zum größten Teil im Maßstab 1:1 ausgeführten, Konstruktionszeichnungen
spiegelt sich die Einfachheit und Klarheit - mit hohem ästhetischem Anspruch - des
gesamten Baukörpers
wieder.
Zerstörung im Krieg und
Wiederaufbau
Die Reihenhauszeile wurde im Zweiten
Weltkrieg beschädigt, wovon die Häuser
2 - 12 nicht betroffen waren und sich
deshalb in einem wenig veränderten
Zustand befinden.
Die heutigen Fenster der gesamten
Reihenhauszeile entsprechen in ihrer
Aufteilung nicht mehr den originalen
Fensterelementen und wirken sich daher
störend auf das Gesamterscheinungsbild
aus.
Das Haus Nr. 14 wurde stark beschädigt
und 1950 als Dreifamilienhaus ohne Staffelung des Dachgeschosses im Auftrag der SAGA(gegründet 1922 als:
„Gemeinnützige Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona“; seit 1939: „Gemeinnützige
Siedlungs-Aktiengesellschaft Hamburg“) wiederaufgebaut. Die Umnutzung zum
Mehrfamilienhaus wurde durch die Umlegung der Treppe an die Innenwand der
vorderen Fassade möglich. Die vordere Fassade entspricht dem ursprünglichen
Erscheinungsbild. Jedoch unterscheidet sich der Verblendstein des Obergeschosses in
seiner Helligkeit von der übrigen Fassade und stört das Gesamtbild.
Haus Nr. 16 wurde völlig zerstört. 1955 nahm die SAGA eine Neubebauung vor, die
ebenfalls als dreigeschossiges Mehrfamilienhaus in größerer Breite geplant und gebaut
worden ist. Die Grundrissgestaltung dieses Endhauses ähnelt der des Hauses Nr. 14.
Die Fassaden unterscheiden sich von denen des Originalzustandes, lediglich die vordere
Bauhöhe, die Bautiefe und die Fenstergrößen wurden übernommen. Mit der
vollständigen Verblendung der Fassade ging das für Oelsner typische Dachgeschoss
verloren, welches hier zusätzlich ohne Rücksprung ausgebildet wurde. Die vorgezogene
Eingangseinfassung ist nur andeutungsweise übernommen. An der Rückfassade sind
Balkone angebracht.
Fazit
Die Ausrichtung der Reihenhauszeile in Ost-West-Richtung ist positiv anzusehen.
Der rückwärtige Garten hat durch seine Westausrichtung eine optimale Lage. Der
Baukörper mit seiner klaren Architektur, den gut gegliederten Fassaden, der Farb-
und Materialwahl ist sehr ansprechend. Das für damalige Zeiten komfortable
Stadthaus mit seinen großzügigen einfachen Grundrissen konnte auch gehobeneren
Bedürfnissen genügen und bietet noch heute hohe Wohnqualität. Das Dachgeschoss
ist durch seine Flachdachausbildung und den Dachgarten sinnvoll nutzbar.
Die Sanierungs- und Wiederaufbaumaßnahmen sind leider misslungen und wirken
sich negativ auf den Gesamtbaukörper aus. Insbesondere ist Haus Nr. 16 als
Fehlplanunganzusehen. Es entspricht in seinem monotonen Erscheinungsbild dem
durchschnittlichen Geschosswohnungsbau der 50er Jahre. Diese Umplanungen sind
nur im Zusammenhang mit der damaligen Wohnungsnot zu verstehen. Heute werden
die Wohnungen von der SAGA vermietet.
(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)
|
|
|