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OELSNER VITA / BAUTEN


Lebenslauf

Gebäude in HH - Altona

Wohnungsbauten
Bahrenfelder Steindamm
Rathenaupark “Moltkeblock”
Augustenburger / Kieler Str.
Koldingstraße
Lunapark
Helmholtzstraße
Schützenstraße
Luruper Chaussee
Steenkamp-Siedlung
Rulantweg
Otzenstraße

Wohlfahrtsbauten
Schwesternwohnheim
Arbeitsamt Kieler Straße
Gewerbeschule
Pestalozzi-Schule

Gebäudeverlust





           

S C H Ü T Z E N S T R A S S E


 
Baujahr: 1925/26
Stadtteil: Bahrenfeld
Straße: Schützenstraße
Haustyp: Wohnblock
Geschossigkeit: 4-geschossig


Lage
Das 1925/26 von Gustav Oelsner erbaute, 4-geschossige Wohnhaus liegt zwischen der Leverkusen- und der Stresemannstrasse an der Schützenstrasse in Bahrenfeld. Dieses Wohngebäude schloss die Baulücke einer Blockrandbebauung aus der Gründerzeit und war damit den Zwängen bestehender Straßenführungen unterworfen. Um der klassischen Blockrandbebauung zu entgehen, die nicht mehr der Auffassung vom gesunden Wohnen entsprach, entwickelte Oelsner unterschiedliche Maßnahmen zur Gliederung und Aufheiterung jener „Wohnmaschinen“, die sich zum ersten Mal in der Architektur des Wohnblocks Schützenstrasse zeigen. Die Blockrandbebauung umfasst 132 Wohnungen und 7 Läden mit insgesamt 8.309 qm Wohnfläche. Diese teilen sich in 117 2-Zimmer-, zwölf 3-Zimmer- und drei 4-Zimmerwohnungen auf.

Architektur
Bei diesem Wohnblock kündigt sich das Motiv der „dynamischen Stadtmauer“, wie es Oelsner bei den Gebäuden Kieler Strasse und Bahrenfelder Steindamm später verwandt hatte, schon an.

Um den massiven Charakter des Wohnblockes aufzulockern, springt der Mittelteil des an der Schützenstrasse gelegenen Gebäudeabschnittes um einige Meter zurück. Dadurch werden die Gebäudeecken besonders markiert, zusätzlich entsteht eine Vorgartenfläche, die den Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum schafft. Dieses Motiv der Baukörpergliederung verwandte Oelsner später auch beim Wohnblock Kieler Strasse, jedoch ist der Rücksprung am Baublock Schützenstrasse deutlich kräftiger ausgefallen.

Die Gebäudeecke Schützenstrasse/ Leverkusenstrasse weist eine großzügige Ausrundung auf, so wie sie sich ebenfalls bei den Baublöcken Bahrenfelder Steindamm und Kieler Strasse findet. Im Gegensatz zu diesen beiden Baublöcken ist die Ausrundung aber nicht tatsächlich rund, sondern polygonal gebrochen. Somit bleiben die insgesamt acht Fassadensegmente der Ausrundung in ihrer Fläche eben. Der Charakter dieser Eckausrundung ist in seiner Wirkung statischer als bei dem später entstandenen Baublock Bahrenfelder Steindamm. Auf der Straßenseite, in den beiden innen liegenden Ecken der zurück springenden Gebäudeteile, ist jeweils ein Treppenhaus im Viertelkreisbogen als feinsprossiger Glaskörper eingefügt.

Grundrisse
Alle Wohnungen sind als Zweispänner organisiert. Bei allen Wohnungstypen sind Küche und Bad zum Hof ausgerichtet. Jeder Wohnung ist eine Loggia zugeordnet, die grundsätzlich von der Küche aus zu erreichen ist. Sie stellt somit eine Art „Wirtschaftsbalkon“ dar, vergleichbar denen seiner anderen Geschosswohnungsbauten. Auf dem Dachboden hat jede Wohnung einen Abstellraum. Hier befinden sich auch die Waschküchen und die dazugehörigen Trockenböden.


Die Fassadengestaltung ist durch umlaufende horizontale Gliederung der aus Ziegelsteinen gemauerten Brüstungs- und Fensterbänder mit den für die Zeit charakteristischen Sprossenfenstern gekennzeichnet.

„Backsteinmauerwerk und Sprossenfenster wurden als ideale Möglichkeit gesehen, dem Baukörper einheitliche Flächenwirkung, Rhythmus, Farbe und Textur zu geben, und zwar in einer über den Einzelbau hinaus Einheit schaffenden, städtebaulich wirksamen Weise, die auch stark individuell gebildeten Fassaden zur Einordnung in das geschlossene Wohnquartier verhalf“.

Oelsner wählte für die Fassade nicht die üblichen glatten, genormten, meist dunkelroten Steine, wie die Industrie sie anbot, sondern ein buntes „Steinkleid“ aus ockergelben, braunen, roten und violetten Ziegeln von rauer Oberfläche. Eingestreut sind poröse schwarze Schlackensteine, die aus der Mauer hervorstehen. So entsteht ein sehr lebhaftes Fassadenbild, das auch stärker verschattete Wände heller und den gesamten Baukörper geradezu fröhlich wirken lässt.

Fazit
Das Gebäude der SAGA wurde 2002 renoviert. Straßenseitig ist das ursprüngliche Fassadenbild erhalten geblieben. Hier sind lediglich neue Sprossenfenster nach altem Vorbild eingebaut worden. Die Fassade zum Innenhof wurde mit einer weiß verputzten Thermohaut total verändert, der Einbau der Iso-Fenster ist hier ohne Sprossen erfolgt. Die sanierungsbedürftigen Wohnungen wurden mit neuen Bädern und neuen Fußböden versehen. Das Dach des Gebäudes wurde erneuert. Die ursprünglichen Gauben wurden nicht wieder hergestellt. Im Anschluss an die Sanierungsarbeiten ist der Innenhof neu gestaltet worden, ohne dass auf die ursprüngliche Gestaltungsqualität eingegangen wurde.

Die Auffassung zu dem Ergebnis vergleichbarer Umgestaltungen von Wohngebäuden durch Modernisierungsmaßnahmen von Manfred F. Fischer von 1985 in „Siedlungen der 20er Jahre“ stellt ein grundlegendes Problem mit dem Umgang Oelsnerscher - und damit jeder historischen Bausubstanz - dar : „Im Rahmen von Erneuerungsmaßnahmen besteht die Gefahr, dass viele handwerkliche Details als integrale Bestandteile des architektonischen Entwurfs durch Anwendung heute üblicher, so genannter preisgünstiger Normprodukte für immer verloren gehen. Dies betrifft viele Bereiche: Dächer und Türen, ... und insbesondere die Fenster. Das jeweils betroffene Einzelgebäude verliert einen zu seinem Wesen gehörenden Bestandteil seiner künstlerischen Gestaltung. An die Stelle einer sorgfältig geplanten Einheit von Großform und Detail, von gemeinsam wirkender Außenfläche, treten amorphe und maßstabslose Lochstrukturen. An die Stelle eines gleichmäßigen Rhythmus von Backsteingliederung und Sprossenfenster tritt häufig das „ungeschlachte Nebeneinander“ asymmetrischer Ganzglasfenster.“

Das hier angesprochene Problem stellt ein Grundsatzproblem dar, zu dem an anderer Stelle Ausführungen gemacht werden.

(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)