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OELSNER VITA / BAUTEN


Lebenslauf

Gebäude in HH - Altona

Wohnungsbauten
Bahrenfelder Steindamm
Rathenaupark “Moltkeblock”
Augustenburger / Kieler Str.
Koldingstraße
Lunapark
Helmholtzstraße
Schützenstraße
Luruper Chaussee
Steenkamp-Siedlung
Rulantweg
Otzenstraße

Wohlfahrtsbauten
Schwesternwohnheim
Arbeitsamt Kieler Straße
Gewerbeschule
Pestalozzi-Schule

Gebäudeverlust





           

S C H W E S T E R N W O H N H E I M


  Lage
Das städtische Krankenhaus Altona wurde 1859 von dem damaligen Stadtbaumeister Oswald Winkler errichtet. Es ist ein Backsteinbau, der in seiner Gestaltung den Idealen der „Hannoverschen Schule“ folgt, und sich somit an der mittelalterlichen, gotischen Formensprache orientiert, siehe z. B. die Gebäude in der Hamburger Speicherstadt. In „gesunder“ Lage am damaligen Stadtrand und in einem Park gelegen, war es einer der ersten kommunalen Bauten, der die damalige Straße „Allee“, heute Max-Brauer-Allee, säumte.

Die Leitung des Krankenhauses war bestrebt, immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu sein, und die Stationen waren dementsprechend eingerichtet.

Das Krankenhaus Altona wurde europaweit als eines der besten Krankenhäuser anerkannt und ständig erweitert. 1914 jedoch hemmte der Beginn des Ersten Weltkrieges die weitere Entwicklung des Hauses. Da die Krankenzahl immer mehr anwuchs, mussten die Personal- und Büroräume als Krankenzimmer eingerichtet werden. Das Hauspersonal fand im Krankenhaus keine Unterkunft mehr und musste in der Stadt wohnen. Seit 1918 wurde das Krankenhaus kontinuierlich erweitert. 1921 wurden die bestehenden Baracken durch Neubauten ersetzt, zusätzlich entstand 1922 ein Badehaus. 1923 gründete die Stadt Altona eine eigene städtische Schwesternschaft. Ziel war es, den Krankenschwestern eine Arbeit unabhängig von ihrer Konfession zu ermöglichen. Ebenfalls sollte ihre soziale und wirtschaftliche Stellung aufgewertet werden. War die Versorgung der Kranken bis ca. 1880 nur von „Wärterinnen“ mit geringen medizinischen Kenntnissen durchgeführt worden, so stieg mit der wachsenden Zahl der Kranken auch der Anspruch an das Pflegepersonal und damit an die Stadt, für eine bessere medizinische Ausbildung zu sorgen. Das neue „Haus der Schwesternschaft“ sollte den nötigen Rahmen für diese Veränderungen schaffen. Es wurde von Gustav Oelsner entworfen und von der Stadt Altona gebaut. 1927 erfolgte die feierliche Einweihung durch den Oberbürgermeister Max Brauer.

Architektur
Das Schwesternhaus, ein kubischer, flachgedeckter und nüchterner Bau aus warmen ockergelben Klinkern, füllte eine bedeutsame Lücke im Stadtraum. Es ist ein 4-geschossiger L-förmiger Baukörper in markanter Ecklage, der sowohl an die Wohnbebauung der Straße als auch an die Gebäude des städtischen Krankenhauses anschließt. Die oberste Etage ist als Staffelgeschoss ausgebildet; der Eingang wird mit einem Vordach betont. Die kubische Form und ebenso das Flachdach waren für die damalige Zeit absolut ungewöhnlich. Im Vergleich zur angrenzenden Wohnbebauung, die noch auf die historisierende Formensprache zurückgeht und klassizistische Gestaltungselemente in der Fassadengliederung aufweist, wird hier die Reduktion auf die Form besonders deutlich. Das Schwesternhaus ist ein Bau von klarer Eleganz. Die Fenstertüren zur Straße im Erdgeschoss sind mit großen, seegrünen Milchglasscheiben verglast. Eckfenster akzentuierten das erste und zweite Obergeschoss. Das Schwesternhaus ist mit 50 Wohn- und Schlafräumen sowie gemeinschaftlichen Koch- und Sanitäranlagen ausgestattet.


Oelsner wies die bereits angeschaffte Inneneinrichtung für das Schwesternhaus als funktionell unzulänglich ab und belastete durch den Kauf passenderen Mobiliars den Stadtetat mit rund 80.000 Mark. Die angeschafften Möbel entsprachen seiner Architekturauffassung, die selbst sechs Jahre später noch die Gemüter bewegte und nach 1933 zu einer Anklage gegen ihn führte, die ihm die Vergeudung von Haushaltsmitteln vorwarf. Einige Architekten sprachen im Übrigen von einer Verschandelung der ganzen Gegend durch den Bau des neuen Heimes.

1943 wurde das Schwesternhaus teilweise zerstört und 1948 wieder aufgebaut. Bis 1970 wurde es im Rahmen des Krankenhausbetriebes genutzt. Mit der Aufgabe des Standortes Max-Brauer- Allee nach dem Krankenhausneubau in Othmarschen bezog dann die Behörde für Gesundheit und Soziales die Räumlichkeiten.

Im Gegensatz zum Krankenhaus wirken beim Schwesternhaus die Steine von weitem nicht als homogene Fläche. Die Fassade ist ockergelb, mit vereinzelten Steinen in Rot, Grün, Schwarz. Zusätzlich wurden einige geschwärzte Fehlbrandsteine eingesetzt. Die Klinker sind bis zur Oberkante der Fenster im Erdgeschoss Lagerfläche auf Lagerfläche im regellosen Verband vermauert, ebenso zwischen den Fenstern jeweils eines Geschosses. Die Brüstungsbänder unter den Fensterreihen der Geschosse sind wieder durch die zum Betrachter zeigenden Lagerflächen der Steine betont. Die unterschiedlich vermauerten Schichten ziehen sich in einer durchgehenden Fläche vom Sockel bis zum Dachrand nach oben. Die Oberkanten und Unterkanten der Fenster schließen mit der Fassade bündig ab, nur die schmalen Sohlbänke ragen ein wenig aus der Fassade heraus. Der Gesamteindruck des Gebäudes als geschlossener Kubus wird durch die bündigen Fenster verstärkt. Das neben dem Verbindungsgang zum Krankenhaus liegende Fenster springt als einziges zurück und gibt den Blick auf den Sturz frei. Für die damalige Zeit untypisch ist ebenfalls Oelsners Umgang mit der Gebäudeecke. So findet sich hier kein Erker, wie er noch um die Jahrhundertwende eingesetzt wurde, sondern nur die Fenster, die die Ecke sachlich umgreifen. Der Eingang des Schwesternhauses liegt nicht an der Straße, sondern ist dem Park vor dem ehemaligen Haupteingang des Krankenhauses Altona zugewandt. Dies macht die Beziehung zum Krankenhaus deutlich.

Als Orientierungshilfe, um den Eingang zu finden, ist ein Vordach darüber gesetzt worden. Das Treppenhaus wird über einen vertikal hochlaufenden Glasvorbau belichtet, der ebenfalls bündig mit der Fassade abschließt. Im Gegensatz zur äußeren Hülle sind im Innenbereich die Übergänge zwischen Wand und Decke ausgerundet, ebenso die Raumecken. Auch die im Treppenhaus stehenden Wandscheiben weisen diese Rundungen auf.

Fazit
Mittlerweile ist durch eine Umstrukturierung der Verwaltung in Hamburg die Behörde für Gesundheit und Soziales ausgezogen, und das Schwesternhaus wird zukünftig für schulische Ausbildungszwecke verwendet. Die Räume des ehemaligen Krankenhauses Altona werden heute von einer Fachoberschule genutzt.

(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)