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OELSNER VITA / BAUTEN


Lebenslauf

Gebäude in HH - Altona

Wohnungsbauten
Bahrenfelder Steindamm
Rathenaupark “Moltkeblock”
Augustenburger / Kieler Str.
Koldingstraße
Lunapark
Helmholtzstraße
Schützenstraße
Luruper Chaussee
Steenkamp-Siedlung
Rulantweg
Otzenstraße

Wohlfahrtsbauten
Schwesternwohnheim
Arbeitsamt Kieler Straße
Gewerbeschule
Pestalozzi-Schule

Gebäudeverlust





           

S T E E N K A M P S I E D L U N G


 
Baujahr: 1914-1926
Stadtteil: Bahrenfeld
Straße: Grotenkamp
Osdorfer Weg
Kluckstraße
Haustyp: Ein- und
Mehrfamilienhäuser
in Reihenhausform




Lage
1924 übernahm Gustav Oelsner das städtische Bauamt. Nach seinen Entwürfen wurden die Reihenhäuser am Grotenkamp, am Osdorfer Weg und an der Kluckstraße in der Steenkampsiedlung fertig gestellt. Mit diesen Bauten war der Siedlungsbau der „eigentlichen“ Gartenvorstadt abgeschlossen. Auf einer Fläche von rd. 22.000 m² waren in den Jahren von 1914 bis 1926 insgesamt 670 Einfamilien- und 92 Mehrfamilienhäuser in Reihenhausform, mit Gärten und Stallungen für Kleintierhaltung sowie 19 Läden für rd. 2.600 Bewohnerfertig gestellt.


Architektur
Die Bebauung weist durch die gleichmäßige Baumassenverteilung ein in sich geschlossenes Erscheinungsbild auf. Die überwiegend zweigeschossigen Gebäude mit Satteldächern sind als Doppel- oder Reihenhäuser parallel zu den in Nord-Süd- Richtung verlaufenden Wohnstraßen angeordnet. So konnte man optimale Belichtungs- und Besonnungsverhältnisse für die Wohnungen erreichen. Aus spiegelbildlich wiederkehrender Anordnung von Straße, schmalem Vorgarten, Hauszeile und tiefem Hausgarten entsteht ein Gefüge von engem öffentlichen Straßenraum und weit durchgrünten privaten Freiflächen. Die unterschiedlich langen Reihenhauszeilen sind durch Vor- und Rücksprünge gegliedert, die zu Verengungen und Erweiterungen des Straßenraumes und im Zusammenhang mit Abwinklungen und leichten Krümmungen in der Straßenführung zu vielfältigen Raumeindrücken führen und damit jeder Straße ein unverwechselbares Erscheinungsbild geben. Durch zurückgesetzte Häuser oder Hauszeilen an den Straßenmündungen werden Torsituationen geschaffen, die Räume bilden und zugleich „Eingänge“ markieren.

Der aus der Zusammenführung der Straßen in der Siedlungsmitte gebildete rechteckige Platz ist allseitig baulich gefasst und durch die besondere Bauform für Gemeinschafts- und Versorgungseinrichtungen vorgesehen gewesen.

Die von Gustav Oelsner gebauten Hauszeilen im Grotenkamp weisen im Ansatz formale Parallelen zu dem in gleicher Zeit von Oelsner gebauten Geschosswohnungsbau mit verputzter Fassade auf. Glatt verputzte flächige Fassaden im Verbund mit großen Sprossenfenstern, die Dachtraufe hinter die Fassade zurückgesetzt, mit der sogenannten liegenden Rinne versehen, unterstützen die kubische Wirkung des Baukörpers. Auch hier sind die zweigeschossigen Hausfassaden horizontal gegliedert. Durch einen Putzvorsprung von ca. 2 cm setzt sich das Obergeschoss plastisch vom Erdgeschoss ab. Dieser Putzvorsprung war ursprünglich darauf angelegt, die im Erdgeschoss senkrecht und in gleichen Abständen angebrachten hölzernen Spalierhölzer bündig mit der Fassade des Obergeschosses abschließen zu lassen. Die schlichten Holzeingangstüren mit schmalen Oberlichtern liegen zurückgesetzt in Nischen. Die Oberlichter sind - wie alle Fenster - durch schmale Sprossen gegliedert. Durch die spiegelbildliche Doppelung zweier Häuser liegen auch hier jeweils zwei Hauseingänge nebeneinander.
Beidseitig der schmalen Wohnstraßen waren, die Hauszeilen begleitend, Vorgärten angelegt, die durchschnittlich eine Tiefe von 4 m haben, in Einzelfällen jedoch, bedingt durch städtebauliche Verengungen bzw. Ausweitungen des Straßenraumes in ihrer Breite variieren. Die Vorgärten waren überwiegend mit niedrigen Mauern eingefasst, hinter denen hohe grüne Hecken die Begrenzung zur Straße bildeten. Der einheitlich gestaltete Vorgarten, gewachsener grüner Raum zwischen dem öffentlichen Geschehen auf der Straße und den privaten Aktivitäten im Hause, zog sich gleichermaßen wie ein grünes Band durch die ganze Siedlung.

Der harmonische Gleichklang zwischen gebauter und gewachsener Architektur wurde unterstützt durch den Bauverein, der die Vorgärten einheitlich bepflanzen ließ. Entsprechend der Gestaltungs- absicht in dieser Gartenstadt, die in ihrem städtebaulichen und architektonischenAusdruck „Einfachheit, Gleichheit, Klarheit und Gemeinsamkeit“ dokumentieren sollte, war die Gestaltung der Vorgärten als ein Teil dieses Gedankens und daher untrennbar von der gesamten Planung zu sehen.

Die Architektur am Grotenkamp lässt die Ziele erkennen, die aus sozialpolitischen Bestrebungen dieser Zeit in der Gestaltung der Häuser ihren Ausdruck finden sollten. In der Anwendung einheitlicher Details, einer glatten und ornamentlosen Fassaden- gestaltung und in der Wiederholung gleicher Elemente sollte sich das „politische Prinzip der Gleichheit und des Kollektivismus als Gegensatz zum Individualismus“ ausdrücken.

Aus zeitgenossischen Publikationen, ist über die ursprüngliche Farbigkeit der Häuser in der Siedlung wenig zu erfahren. Jedoch können sich alte Bewohner daran erinnern, dass die Häuser am Grotenkamp mit einem farbigen Fassadenanstrich wie „erdbeerrot, graublau, gelb, ocker, rotbraun und olivgrün“ versehen waren.

Farbige Architektur war vor dem Ersten Weltkrieg unbekannt. Die Diskussion um Farbe als Architektur- und Raumelement setzte erst nach 1918 ein und sollte die Architektur der 20er Jahre - und nicht nur die deutsche Architektur - bestimmen. Gustav Oelsner formulierte Anfang der 20er Jahre folgendermaßen: „Wir glaubten nach dem Ersten Weltkrieg, wir könnten mit Farbe das Sonnenlicht bescheiden ersetzen“.

Fazit
Als Anfang der 60er Jahre die ersten Fassadenanstriche renovierungsbedürftig erschienen, wurde der Hamburger Maler und Grafiker Tom Hops beauftragt, ein Farbgutachten zu erstellen. Nach seinen Vorschlägen wurden etliche Häuser mit einem neuen Farbanstrich versehen, wie sie heute noch teilweise zu finden sind, allerdings bei Verzicht der bunten Vielfältigkeit.

Die Erhaltung der Steenkampsiedlung als Zeitdokument ist jedoch nur dann gerechtfertigt und sinnvoll, wenn alle wesentliche Entwurfselemente erkennbar bleiben. Dazu gehören insbesondere die gegliederten Fenster, die schlichten Hauseingänge aber auch die Dächer sowie die Ausbildung der Vorgärten, des gesamten Straßenraumes mit seinen Nebenanlagen.

Die Steenkampsiedlung ist ein Dokument aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in der umfassende Reformbestrebungen das Leben der Menschen ganz allgemein verbessern sollten. Dies bezieht sich insbesondere auf die städtebauliche und architektonische Qualität. Letztere ist, wie beschrieben, unabweisbar von der Erhaltung bzw. Wiederherstellung der wenigen aber entscheidenden Gestaltungselemente abhängig. Die Vorgärten und Eingangsbereiche haben heute viel von ihrer ursprünglichen Qualität verloren.
Die Abgrenzungen zwischen Vorgärten und Straße sind je nach Höhenlage der Vorgärten unterschiedlich gestaltet: durch Abfangungen, durch Stützmauern, durch Böschungen mit Rasenbepflanzung und teilweise Hecken an der Böschungsoberkante und durch hohe Buchenhecken. Insbesondere sind die Böschungen vielfach wesentlich verändert worden und mit unterschiedlichsten Materialien wie Waschbetonplatten, Welleternit oder durch Steingärten individuell ausgebildet worden. Die grünen Hecken auf den Böschungsoberkanten fehlen fast überall.

(Textbeitrag aus Ausstellungskatalog “stadt-visionen-antworten”)